In Marokko leben schätzungsweise drei Millionen streunende Hunde auf den Straßen. Jedes Jahr werden Tausende von Straßenhunden in Marokko auf tragische Weise getötet, aus Angst vor Tollwut und als Versuch, die Steunerpopulation unter Kontrolle zu bringen.
In diesem Beitrag möchten wir einen kurzen Überblick darüber geben, warum die Situation so ist – wie sie ist. Und welche Möglichkeiten es gibt, um das Leben der Hunde zu verbessern.
Zur besseren Übersicht haben wir ein Inhaltsverzeichnis für euch erstellt:
- Die Situation der Straßenhunde
- Die einzige Lösung: TNVT
- Aufklärungsarbeit
- Gesetzgebung und aktuelle Situation
- Sport-Events und Hundetötung
- Petition zur Fußballweltmeisterschaft
- Wie kann ich helfen?

Die Situation der Straßenhunde in Marokko
Es gibt etwa 500 Millionen Hunde auf der Welt. Davon sind schätzungsweise 75 %, d. h. etwa 375 Millionen, streunende Hunde. Es wird allgemein angenommen, dass es in Marokko drei Millionen Straßenhunde gibt, hierzu gibt es jedoch keine wissenschaftliche Studie.1
Die meisten Straßenhunde in Marokko leben unter schrecklichen Bedingungen, sie ernähren sich von Essensresten aus dem Müll und leiden unter Misshandlung, Verletzungen und Krankheiten.
Streunende Hunde werden von einzelne Personen oder Gruppen aus der Bevölkerung und den marokkanischen Behörden verfolgt, die sie als Ärgernis und als Gefahr für die öffentliche Gesundheit betrachten. Es werden ca. 60.000 Hunde im Jahr getötet.2 Die Dunkelziffer wird jedoch viel höher sein, denn die Hunde, die von den Anwohnern selbst getötet werden und auch die zahlreichen Opfer, die durch Verkehrsunfälle und Krankheiten zustande kommen, zählen hier nicht mit rein.
„In einem Jahr kann eine Hündin bis zu drei Würfe mit jeweils sieben Welpen zur Welt bringen. Die überlebenden weiblichen Welpen können bereits im Alter von sechs Monaten mit der Paarung beginnen. In 6 Jahren können eine einzige Hündin und ihre Nachkommen 67.000 Welpen zur Welt bringen!“
Quelle: https://spadumaroc.com/stray-dogs, Stand 20.02.2024
Während der Welpensaison werden viele Welpen von ihren Müttern getrennt und abseits der Orte ausgesetzt. Für die Welpen ist das ein Todesurteil. Aber auch wenn die Welpen bei ihrer Mutter bleiben können, so erliegen die meisten dem Parvovirus oder anderen Krankheiten. Jedes Jahr sterben eine riesige Anzahl an Welpen in Marokko.

„Sobald man Hunde und Katzen entfernt, z.B. durch Massentötung oder Wegsperren, entspannt sich die Lage zwar kurzfristig. Da es aber plötzlich mehr zu Fressen und grössere und freie Reviere gibt, füllen sich diese rasch mit neuen Tieren: mit Welpen von unkastrierten Tieren, ausgesetzten Tieren oder durch Zuwanderung anderer Streuner aus benachbarten Revieren.“
Quelle: https://www.tierbotschafter.ch/tnvr, Stand 20.02.2024
Exkurs: Der Hund im Islam
Vor unserer Reise nach Marokko war uns nicht bekannt, dass im Islam Hunde als „unreine“ Tiere gelten. Vor allem der Speichel der Hunde wird als unrein bezeichnet.
Das bedeutet jedoch nicht zwingend, dass diese Tiere nicht gemocht werden. Aber es bedeutet eben auch, dass es nach der traditionellen muslimischen Einstellung nicht gestattet ist, sich einen Hund anzuschaffen, außer wenn er als Nutztier gehalten wird (z.B. als Jagd-/Wachhund). Es ist daher eher selten, dass in Marokko Hunde als Haustiere gehalten werden.
Hinweis: Es gibt ebenso Muslime, die sich als Tierfreunde und Hundeliebhaber zeigen.
Weitere Informationen zu der Thematik findet ihr hier: https://wamiz.de/hund/ratgeber/10290/muslime-und-hunde-vorsicht-vorurteile
Katzen sind dagegen gerne gesehen, aber auch hier fehlt das Bewusstsein für Kastrationen und Impfungen!

Die einzige Lösung: TNVT
⇨ TNVT ist die einzige langfristige Lösung, um die Katzen- und Hundepopulation zu reduzieren und die Tollwut auszurotten. Um Kastrations- und Impfkampagnen in Marokko nachhaltig umsetzen zu können, spielt Aufklärungsarbeit eine große Rolle.
TNVT steht für:
T (Trap) / (Treat) – Einfangen / Behandeln
N (Neuter) – Kastrieren
V (Vaccinate) – Impfen
T (Tag) – Kennzeichnen
Auch bekannt unter TNR oder TNVR.
Studien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bestätigen, dass es sich hierbei um die einzige Möglichkeit handelt, die Population streunender Hunde zu reduzieren und die öffentliche Gesundheit zu schützen.
Bei diesem System werden streunende Hunde eingefangen und kastriert, damit sie sich nicht vermehren können. Sie werden gegen Tollwut und andere Krankheiten geimpft und anschließend in ihr Revier zurückgebracht. Diese Methode verhindert die Vermehrung von Streunern und baut gleichzeitig eine Herdenimmunität gegen Tollwut auf, die die Menschen vor Ort schützt.3

Bildquelle: @beldirefuge, Instagram
Die geimpften Hunde schützen ihr Revier vor dem Eindringen neuer, nicht geimpfter Hunde. Außerdem sind Hunde ohne Hormonantrieb ruhiger und verursachen weniger Belästigungen.
Nach der Kastration und Impfung werden die Hunde mit einer Markierung (Chip) am Ohr gekennzeichnet. Dadurch weiß die Öffentlichkeit, dass keine Gefahr von diesen Tieren ausgeht.
Aufklärungsarbeit
Auch kommt es immer wieder zu Fällen, in denen einzelne Personen oder Gruppen aus der Bevölkerung die Hunde töten. Aus Missachtung oder aus Furcht vor Krankheiten.
In der marokkanischen Kultur wird vielen Kindern beigebracht, sich vor Hunden zu fürchten.
Der Schlüssel zum Umdenken liegt in der Bildung.
Durch die Aufklärung der Öffentlichkeit und der Förderung der Adoption von Haustieren, tragen bereits viele tolle Tierschutzorganisationen in Marokko dazu bei, dass das Land zu einem empathischeren und fortschrittlicheren Ansatz gegenüber Tieren übergeht.
Die Organisation SFT Animal Sanctuary zum Beispiel geht regelmäßig in die örtlichen Schulen bei Tanger, um mit den Kindern über die Arbeit der SFT zu sprechen und ihnen zu erklären, wie wichtig es ist, sich um jedes Lebewesen zu kümmern, und ihnen zu zeigen, dass die Sorge um die Tiere die Verantwortung eines jeden ist. Auf diese Weise fördern sie das Einfühlungsvermögen der Menschen gegenüber den Tieren in der Hoffnung, dass es in der Bevölkerung wächst und gedeiht und so der Grausamkeit und Misshandlung von Lebewesen in Tanger ein Ende setzt.4
Eine weitere wichtige Botschaft an die Bevölkerung ist, dass das Töten von Hunden kontraproduktiv ist. Denn das frei gewordene Revier wird schnell von anderen Hunden übernommen und diese vermehren sich nicht nur weiter, sondern haben auch eine höhere Lebenserwartung, da sie aufgrund des entstandenen Vakuums mehr Ressourcen haben.

Gesetzgebung und aktuelle Situation
Im Jahr 2017 hat der marokkanische König Mohammed VI. die Regierung angewiesen, die alten Methoden des Erschießens und Vergiftens zur Kontrolle der Streunerpopulation nicht mehr anzuwenden, sondern einen humaneren Ansatz zu wählen.5
Zu diesem Zweck kündigten das marokkanische Innenministerium im Jahr 2019 eine Vereinbarung mit dem Nationalen Amt für Lebensmittelsicherheit dem Nationalen Orden der Tierärzte Marokkos an, um die Tötung von Straßenhunden zu beenden und stattdessen landesweit ein Programm zur Sterilisierung, Impfung und Markierung (Ohrmarke) der Tiere zu starten.6
Im November 2021 hat das Innenministerium ein Rundschreiben mit den neuen Maßnahmen veröffentlicht und an die Gemeindeverwaltungen und Gouverneure im ganzen Land verschickt.7
Das Töten der Hunde ist also offiziell seit 2019 in Marokko verboten. Die vereinbarten Maßnahmen werden jedoch nicht in die Praxis umgesetzt. Dieser Mangel an Umsetzung hat brutale und unmenschliche Methoden, wie das Einfangen und Töten von Tieren (einschließlich Welpen und Kätzchen) im ganzen Land, einschließlich der bereits sterilisierten Tiere, die geimpft und gekennzeichnet sind, zur Folge.8
In 2023 haben sich mehrere Organisationen zusammengetan und sich an die Presse gewandt, als in Marokko wieder Straßenhunde getötet und die versprochenen TNVT-Programme nicht umgesetzt wurden.
Den Pressebrief findet ihr hier: https://www.tierbotschafter.ch/fileadmin/webdaten/Pressetexte/Cp_Pdf_version_anglaise_.pdf
Die Umsetzung obliegt den Gemeinden
Ein Budget von 608 Millionen Dirham (ca. 66 Millionen Euro) wurde für die Jahre 2019 bis 2024 von der Regierung zur Verfügung gestellt. Die Rolle des Innenministeriums besteht darin, Gemeinden bei der Umsetzung der TNVR-Programme (Bau und Ausstattung von Impfzentren, Anschaffungs von Fahrzeugen, Ausbildung von Teams, die für den Fang verantwortlich sind usw.) zu unterstützen. Das Ministerium greift jedoch nicht in die Verwaltung ein, da es sich um eine lokale Angelegenheit handelt.9
„Oft wird die Verwaltung der Streunerpopulation an unprofessionelle und unerfahrene Organisationen und Unternehmen delegiert, was zu Grausamkeiten und ineffektiven Geldausgaben führt.“10 Mit anderen Worten: Die meisten Städte stecken sich die Gelder in die eigene Tasche und beauftragen günstige Organisationen mit der Tötung der Tiere.
Es ist dringend erforderlich, dass die offiziellen und erfahrenen Tierschutzorganisationen in den gesamten Prozess des TNVR-Programms, auf transparenten Weise integriert werden.
Hundetötung im Zusammenhang mit Sport-Events
Im Vorfeld der FIFA-Weltmeisterschaft, die unter anderem in Marokko ausgetragen werden soll, wurden Berichte veröffentlicht, dass die marokkanischen Behörden Maßnahmen ergreifen wollen, um die ca. 3 Millionenen Straßenhunde im Land zu beseitigen.11
Bereits im Rahmen der Bewerbung zur Austragung der Fußballweltmeisterschaft im Jahr 2030, waren Funktionäre des Internationalen Fußballverbandes (FIFA) in Marokko zu Besuch. In 2018 kam es in der Küstenstadt Aourir12 und in 2023 in Tanger13 zur Tötung von Straßenhunden, auch von denen die bereits kastriert, geimpft und markiert waren. Als Grund für das Vorgehen der Hundejäger wird angenommen, dass man Eindruck auf die FIFA machen wollte.
Mitte Februar 2024 wurden bei Essaouira Hunde anlässlich einer Quad-Competition eingefangen und ohne Nahrung und Wasser in eine Fourrière gesteckt. Ohne den Einsatz von unermüdlichen Tierschützern würden die Tiere dort innerhalb weniger Tage sterben.
Am 20.02.2024 wurden in Taghazout die Streunerhunde wegen eines internationalen Surf-Wettbewerbs vergiftet.
Dies sind nur einige wenige Beispiele für weitere Tötungen in Zusammenhang mit öffentlichen Events.
„Wahre Zivilisation beginnt mit einer Kultur der Freundlichkeit gegenüber allen Lebensformen. Leider wird diese Kernidee in Marokko für Wirtschaftswachstum und schnelle Entwicklung oft übersehen. Es ist jedoch wichtig zu erkennen, dass Mitgefühl mit Tieren ein Schlüsselindikator für wahre Zivilisation ist.“ – Unis Pour Créatures14
Gesetzesentwurf Nr. 19.25
Im Sommer 2025 wurde in Marokko der Gesetzesentwurf Nr. 19.25 vorgestellt, der offiziell den Umgang mit frei streunenden Tieren, insbesondere Hunden, regeln soll. Ziel sei es laut Regierung, einen „modernen und humanen Rechtsrahmen“ zu schaffen, der öffentliche Sicherheit und Tierschutz miteinander verbindet. Der Entwurf sieht die Einführung eines digitalen Registers vor, in dem Tiere erfasst und nachverfolgt werden sollen. Zudem sollen in den Gemeinden Pflegestationen unter tierärztlicher Leitung aufgebaut werden, in denen Hunde sterilisiert, geimpft, registriert und anschließend entweder zur Adoption vermittelt oder wieder freigelassen werden. Auch strengere Strafen bei Tierquälerei sind vorgesehen.15
Besonders umstritten sind jedoch Artikel 5 und 44 des Entwurfs: Sie verbieten das Füttern, Unterbringen oder Behandeln streunender Tiere im öffentlichen Raum ohne offizielle Genehmigung. Befürworter:innen argumentieren, dies diene einer regulierten, hygienischen und sicheren Tierpflege. Kritiker:innen hingegen betonen, dass dieses Verbot im klaren Widerspruch zum TNVR-Rahmen steht: Hunde, die nach Sterilisation und Impfung wieder freigelassen werden, sind auf Fütterung angewiesen. Ohne einen strukturierten Fütterungsplan droht das Gesetz, das Wohlergehen der Tiere massiv zu gefährden.16
Tierschutzorganisationen warnen daher, dass der Entwurf zwar eine juristische Grundlage vorgibt, in der Realität jedoch repressiv gegenüber Tierschützer:innen wirkt, während die dringend notwendige flächendeckende Umsetzung von TNVR-Programmen weiterhin ausbleibt.
Petition zur FIFA Fußballweltmeisterschaft
Sende der marokkanischen Regierung anlässlich der zur FIFA Fußball-WM geplanten Hundetötungen eine Botschaft, dass die Tötung der Hunde aufhören muss! Zur Petition gelangst du hier: https://iawpc.org/
Es ist wichtig, dass die Versprechen der Regierung umgesetzt werden und die TNVR-Programme unter Einbeziehung der offiziellen und erfahrenen Tierschutzorganisationen möglichst schnell vorangetrieben werden!
Wie kann ich helfen?
Ihr plant eine Reise nach Marokko? Und wollt euch vor Ort im Tierschutz engagieren oder habt ein Tier in Not gefunden? Im folgenden Beitrag wollen wir euch einen Überblick über die verschiedenen Tierschutzorganisationen und Vereine in Marokko geben. Zusätzlich zählen wir euch Möglichkeiten auf, wie ihr von Zuhause aus helfen könnt.
Straßenhunden in Marokko helfen
Quellenverzeichnis:
- vgl. https://spadumaroc.com/stray-dogs, Stand 20.02.2024 ↩︎
- vgl. https://spadumaroc.com/stray-dogs, Stand 20.02.2024 ↩︎
- vgl. https://spadumaroc.com/stray-dogs, Stand 20.02.2024 ↩︎
- vgl. https://www.sftmorocco.org/what-we-do/, Stand 20.02.2024 ↩︎
- vgl. https://spadumaroc.com/stray-dogs, Stand 20.02.2024 ↩︎
- vgl. https://spadumaroc.com/stray-dogs, Stand 20.02.2024 ↩︎
- vgl. https://spadumaroc.com/stray-dogs, Stand 20.02.2024 ↩︎
- vgl. https://www.tierbotschafter.ch/fileadmin/webdaten/Pressetexte/Cp_Pdf_version_anglaise_.pdf ↩︎
- https://mobile.telquel.ma/2023/06/20/ministere-de-linterieur-la-problematique-de-la-gestion-des-chiens-errants-est-dans-le-collimateur-du-ministere_1819733, Stand 21.02.2024 ↩︎
- https://www.partyfortheanimals.com/de/help-moroccan-animal-welfare-organisation-stop-the-killing-of-dogs, Stand 20.02.2024 ↩︎
- https://iawpc.org/morocco-dog-campaign/, Stand 03.02.2025 ↩︎
- vgl. https://www.die-stiftung.de/schweiz/76942-76942/, Stand 20.02.2024 ↩︎
- vgl. https://orf.at/stories/3303707/#:~:text=In%20der%20marokkanischen%20Hafenstadt%20Tanger,erlitten%2C%20werden%20%C3%B6rtliche%20Tierschutzorganisationen%20, Stand 20.02.2024 ↩︎
- https://www.instagram.com/p/CynaDE5NvGC/?igsh=MXVvbTdmY3NrNnRoNg==, Stand 21.02.2024 (eigene Übersetzung) ↩︎
- https://www.moroccoworldnews.com/2025/08/237309/free-ranging-dogs-management-in-morocco-the-feeding-dilemma-under-law-no-19-25/, Stand 27.08.2025 ↩︎
- https://www.moroccoworldnews.com/2025/08/237309/free-ranging-dogs-management-in-morocco-the-feeding-dilemma-under-law-no-19-25/, Stand 27.08.2025 ↩︎



